# Schreibstil (gelernt) Übertragbare Regeln für Bewerbungstexte. Wird am Ende jeder Bewerbungssession aktualisiert. Nur **übertragbares** Wissen, keine projektspezifischen Einmaligkeiten. > **Verbindlicher Grundstil:** `vorgaben/marketing.md` §5 (Tonalität und Markenstimme) > sowie dessen Dos & Don'ts. Diese Datei ergänzt nur **bewerbungsspezifische** > Erkenntnisse darüber hinaus und wiederholt die Grundregeln nicht. ## Wortwahl / verbotene Formulierungen (verbindlich) - **„darstellbar"** nicht verwenden (wirkt gekünstelt). Stattdessen z. B. „machbar", „möglich", „leistbar". - **Schreibweise „System Integration"** (zwei Wörter, englisch), nie „Systemintegration". Gilt für Bewerbungstexte. ## Grundsätze (verbindlich) - **Keine falschen Behauptungen.** Niemals etwas behaupten, das der Lebenslauf nicht hergibt (z. B. „arbeite täglich an X", „erste produktionsreife Plattform"). Falsche Aussagen sind in Bewerbungen absolut tabu. - **Lücken nicht erwähnen.** Schwächen/fehlende Abdeckung nicht offenlegen. Entdeckt der Empfänger sie, lässt sich das im Interview souverän klären; von selbst darauf hinweisen schadet nur. - **Triviale Aussagen weglassen.** Nichts schreiben, was für den Empfänger ohnehin offensichtlich ist. Insbesondere bei Portal-Bewerbungen **nicht** erwähnen, **wo** die Ausschreibung gefunden wurde (bei einer Hays-Bewerbung ist „auf der Hays-Projektbörse gesehen" trivial) und **seit wann** das Projekt online ist. Eine sachliche Aktualitäts-Nachfrage („Ist das Projekt noch aktuell?") bleibt erlaubt, aber ohne die triviale Begründung. ## Wortwiederholung vermeiden (verbindlich) - **Jede spezielle/markante Formulierung nur einmal im gesamten Text.** Vor dem Speichern den ganzen Text gegen Wiederholungen prüfen, **auch über Absätze hinweg**, nicht nur innerhalb eines Satzes. - Greift man **Schlüsselbegriffe der Ausschreibung** auf (Buzzword-Match für den Agentur-Empfänger), die markante Wendung **nur einmal** verwenden und eine zweite Erwähnung umformulieren (Beispiel: „umsetzungsnahe Spezifikationen" einmal lassen, an anderer Stelle „systematisch aufbereiten"). - Dieselbe **Verb-Wurzel** nicht zweimal dicht hintereinander, auch nicht im selben Satz (schlecht: „… remote zu **erbringende** Leistung **erbringe** ich …" → besser „Die **Remote-Leistungen** erbringe ich in …"). - Dieselbe **Wendung nicht in aufeinanderfolgenden Absätzen** wiederholen (schlecht: Absatz 6 „habe ich in **mehreren Positionen** bereits erbracht" und Absatz 7 „In **mehreren Positionen** habe ich …" → eine der beiden umformulieren, z. B. „bereits mehrfach erbracht"). - **Tätigkeitsbegriffe nicht doppelt listen:** Der „Was-mich-reizt"-Absatz und der „Tätigkeiten"-Absatz dürfen nicht dieselben Stichworte (z. B. Bring-up, Debugging, Fehleranalyse) aufzählen. Den Reiz-Absatz höher ansetzen (das Themenfeld), die konkreten Tätigkeiten genau einmal nennen. ## Tonalität an den Empfänger anpassen - **Signalisiert der Empfänger ausdrücklich Lockerheit** (z. B. „Bitte unkompliziert und formlos", informeller Website-Ton, Du-/Hands-on-Kultur), den Grundton entsprechend lockern: Anrede „Hallo Herr/Frau ," statt „Sehr geehrte/r", kürzere, direktere Sätze, optional ein **P.S.** mit persönlichem Bezug (z. B. ein passendes Zitat von der Firmenwebsite, dem man inhaltlich zustimmt). Die verbindlichen Don'ts aus `marketing.md` (keine Gedankenstriche, keine Emojis, kein Humor, keine Übertreibungen) gelten **auch im lockeren Register** weiter. - **Direktkunde/Endkunde mit KI-Affinität:** Hier sind konkrete Praxis-Belege mit echten Tool-/Methodennamen (Agentic AI, On-Premise-KI, Web Scraping, Supervised Fine-Tuning) ein Pluspunkt — anders als bei Agenturen, wo nur Ausschreibungs-Buzzwords zählen (siehe unten). Ein authentischer Beleg kann eine schwächere Anforderungs-Abdeckung (z. B. Web Scraping nur als ❔) überzeugend auffüllen, solange nichts Falsches behauptet wird. ## Anschreiben an Agenturen Annahme: Der Agentur-Mitarbeiter hat fast keine Fachkenntnis und gleicht nur Buzzwords und Zahlen mit der Ausschreibung ab. - **Kurz und prägnant, Teaser-Charakter.** Nur klarstellen, welche wichtigen Anforderungen abgedeckt sind. - **Keine Fachbegriffe, die nicht in der Ausschreibung vorkommen** (Produktnamen, Modellnamen, Protokolle wie Ollama, PyTorch, gpt-oss, Qwen, DDS, SOME/IP). Solche Begriffe sind für den Agentur-Mitarbeiter nur „Techno-Blabla". Nur die Buzzwords der Ausschreibung selbst aufgreifen. ## Aufbau eines Anschreibens (Reihenfolge) 1. **Einleitung:** Begeisterung, sich sehr gern auf genau dieses Projekt zu bewerben. - **Dank nur, wenn Thomas angeschrieben wurde.** Hat Thomas die Projektbeschreibung selbst durch Suche gefunden (z. B. auf einem Portal), **nicht** für die Ausschreibung bedanken; direkt mit der Begeisterung einsteigen. 2. **Wichtigste Fakten** (jeweils als eigener Absatz mit Schlagwort am Anfang, da Bullet-Points im Mail-Editor oft nicht dargestellt werden). **Fett-Formatierung nur, wenn Rich-Text-Versand gesichert ist:** bei bekannter E-Mail-Adresse des Empfängers **oder** über ein Portal, das Rich-Text übernimmt (z. B. das **Hays-Portal**). Dann **sparsam** fetten, nämlich die Themen-Schlagworte mit Doppelpunkt am Absatzanfang sowie die interessantesten Informationen (meist Starttermin, Verfügbarkeit, Stundensatz). **Nur bei reinem Klartext-Kanal** (Portal-Nachricht ohne Rich-Text, E-Mail-Adresse unbekannt) **gar keine Textformatierungen verwenden** — Labels und Zahlen bleiben unformatiert. - **Verfügbarkeit:** ab wann, welcher Prozentsatz. **Interesse an langfristiger Zusammenarbeit nur erwähnen, wenn die Ausschreibung selbst eine Verlängerung nach der Erstbeauftragung in Aussicht stellt** (dann: „auch über die ersten Monate hinaus interessiert"). Sagt die Ausschreibung nichts zu einer Verlängerung, **nichts** über eigenes Verlängerungs-Interesse schreiben. - **Stundensatz:** Keinen festen Satz nennen, sondern Verhandlungsbereitschaft signalisieren, indem der Satz als **Vorstellung** formuliert wird (in € netto, ggf. mit Randbedingungen). DE: „Meine All-in-Stundensatz-Vorstellung liegt bei 105 € netto." EN: „My all-in hourly rate expectation is 105 € net." - **Vor-Ort-Termine** (falls Onsite gefordert): bis zu X Vor-Ort-Termine inkl. Reise-/Übernachtungskosten im All-in-Satz enthalten. **Bei stark onsite-lastigen Projekten im Großraum München** (Onsite-Ort lokal erreichbar) stattdessen als Stärke spielen: Präsenz „leicht und ohne Reise- oder Übernachtungskosten machbar". - **Remote-Anteil** (falls vorhanden): Leistung remote, dafür eigene Räume mit professionellem IT-Equipment im Ingenieurbüro in Unterhaching (Großraum München). Formulierung: Leistung „remote **in** meinem Ingenieurbüro", nie „aus meinem Ingenieurbüro". 3. **Kurzer Absatz:** was mich am Projekt am meisten reizt. 4. **Kurze Schilderung:** was ich einbringe und welche im Projekt geforderten Tätigkeiten ich bereits erbracht habe. 5. **Product-Lifecycle-Absatz (falls passend, vorvorletzter Absatz):** Hinweis, dass meine Kompetenz einen weiten Bereich abdeckt, von Requirements Engineering bis Validation/Deployment/Wissenstransfer. Verbunden mit dem Nutzen für den Kunden. 6. **Vorletzter/letzter Absatz:** Anhänge nennen („Gern sende ich Ihnen anbei meinen aktuellen Lebenslauf …"), Freude bei Interesse, Verfügbarkeit für Rückfragen/Gespräch. ## Erfüllung der Ausschreibungs-Wünsche - Explizite Wünsche der Ausschreibung erfüllen: verlangt sie CV + Stundensatz per Mail, müssen **Stundensatz genannt** und **Anhang Lebenslauf erwähnt** werden. - Fehlt die nötige Kontaktangabe (z. B. E-Mail des Ansprechpartners) → **anmerken**, dass sie noch fehlt, statt sie zu erfinden. ## Anhang-Format des Lebenslaufs/CV (verbindlich) Format des Lebenslauf-/CV-Anhangs richtet sich nach dem **Empfänger-Typ**: - **Agentur:** CV im **.doc**-Format anhängen (Agenturen passen den CV oft an). - **Endkunde (Direktauftrag):** CV im **.pdf**-Format anhängen. Gilt für deutschen Lebenslauf und englischen CV gleichermaßen. ## Header des Entwurfs Immer angeben: Zielperson, Nachrichtenkanal + Zieladresse, Betreff, Anhänge. **Ausnahme Freelancermap:** Bei Bewerbungen über das freelancermap-Portal **keine Betreff-Zeile** in den Header aufnehmen — das Portal bietet beim Bewerben kein Betreff-Feld. Zielperson, Kanal und Anhänge bleiben. Beispiele: ``` An: Frau Candy Williams per E-Mail an C.Williams@brink.de Betreff: … Anhänge: Lebenslauf_Dr-Ing_Thomas_Langer.pdf, Zertifikat TÜV AI Consultant ``` Bei Versand über ein Portal statt E-Mail den Kanal entsprechend benennen (Zielperson ggf. „Sehr geehrte Damen und Herren", falls keine namentliche Ansprechperson genannt): ``` An: Hays (Referenz 873996/1) über das Hays-Bewerberportal Betreff: … Anhänge: Lebenslauf_Dr-Ing_Thomas_Langer.pdf ``` ## Grußformel (immer identisch) Ohne Dr.-Titel, drei Leerzeichen vor dem Namen: ``` Mit besten Grüßen Thomas Langer ``` ## Englische Bewerbungen - **Englischer CV liegt vor:** Basisname `CV_Thomas_Langer_PhD` (Format empfängerabhängig, siehe Anhang-Format-Regel: Agentur `.doc`, Endkunde `.pdf`). Bei englischen Bewerbungen als Anhang nennen, nicht den deutschen Lebenslauf. - **Anrede:** vollständiger Name, „Dear ," (Nutzer-Präferenz, von der englischen Norm „Dear Ms " bewusst abweichend). - **Grußformel (englisch):** „Best regards", danach drei Leerzeichen vor dem Namen: ``` Best regards Thomas Langer ``` - **Anhänge-Absatz (englisch):** „Attached please find my current CV and my TÜV certificate as an AI Consultant." - **Agentur-Buzzwords (englisch) nur aus der Ausschreibung übernehmen**, keine Produkt-/ Modellnamen — gleiche Regel wie bei deutschen Agentur-Anschreiben.